Freitag, 24. Oktober 2014

Mal etwas anderes, das zwar nichts mit Reisen, dafür aber umso mehr mit Fotografie zu tun hat ... Studioaufnahmen gibt es in allen Arten und Formen. Nachbearbeitung von natürlicher Aufnahme bis digitaler Malerei, vom Passfoto bis Coverbild.
Ich möchte hier einen einfachen Ansatz vorstellen, den ich spontan zuhause oder unterwegs machen kann – ganz ohne Studio. Show text

Beschreibung

Studioaufnahmen brauchen einen großen Raum mit riesiger Leinwand und mindestens zwei, drei oder gar vier riesige Blitzgeräte? Nicht doch. Auch als Amateurfotograf kann man mit wenig Equipment schöne Aufnahmen machen, die schon fast nach Studio aussehen. Zumindest ich finde das Ergebnis dieses spontanen Shootings an Heilig Abend gar nicht so schlecht.

Catch the light
Spontanes Shooting mit zwei entfesselten Aufsteckblitzen zum Ausprobieren des faltbaren Hintergrunds (Weih­nachts­geschenk)
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Manuell (M), ISO100, f8, 1/100s

Das Folgende soll weder Tutorial noch stressbare technische Beschreibung der Studiofotografie sein (das können Krolop & Gerst viel besser!), sondern ein kleiner Erfahrungsbericht meines ersten und zweiten Versuchs, der anderen vielleicht ein bisschen die Hemmung vor dem Thema nimmt und zum Ausprobieren anregt. Wieviel ich ausprobiert habe, sieht man an den Bildnummern ...

Hintergrund

Sich bei Hintergründen auf ein weißes, graues oder schwarzes Nichts zu reduzieren ist die einfachste Form - in diesem Fall schwarz für Low KeyHigh Key / Low Key
In der Fotografie gibt es die gestalterischen Stile "High Key" und "Low Key". Während bei "High Key" die hellen Bildbereiche vorherrschen und einige Teile ganz weiß sind, herrschen bei "Low Key" die dunklen Bildbereiche und schwarzen Bildteile vor. Man darf allerdings beides nicht mit Unter- oder Überbelichtung verwechseln.
-Bilder - und beantwortet quasi schon die allererste Frage: Was machen mit dem Hintergrund, der vom eigentlichen Motiv ablenkt (oder einfach nicht so gut aussieht)?

Schwelle des Lichts
Split Lighting und spielen mit der Lichtebene, die dunkle Seite ist mit einem schwachen Blitz - naja, aufgehellt
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Manuell (M), ISO100, f8, 1/80s

Deshalb habe ich mir letztes Weihnachten einen faltbaren Hintergrund gewünscht - woraus auch eben dieses spontane Shooting entstand. Ausgeklappt 145x200cm, zusammengefaltet mit 65cm Durchmesser leicht zu transportieren. Bettlaken eignen sich für erste Versuche aber auch ziemlich gut.
Alles andere verlangt meiner Meinung nach viel LichtstärkeLichtstärke
Ist ein Begriff zur Beschreibung einer maximalen Offenblende eines Objektivs. Ein sehr kleiner Blendenwert entspricht einer sehr offenen Blende und wiederum Lichtstärke.
Offene Blenden ermöglichen nicht nur das Fotografieren mit wenig Licht, sondern auch Bilder mit extrem flacher Schärfeebene und entsprechend starken Unschärfen in Hinter- und Vordergrund des Motivs.
des Objektivs (nicht immer in der Tasche von Amateuren), damit Formen und Strukturen im Hintergrund unscharf werden und das eigentliche Motiv freigestellt wird, und ziemlich viel Erfahrung bei der Auswahl des Hintergrunds und damit auch der Location.

Beleuchtung

Anfänger reduzieren sich gerne auf den AufklappblitzAufklappblitz
Der kleine eingebaute Standardblitz vieler Kameras, der seinen Namen seiner Eigenart, ein- bzw ausklappbar zu sein, verdankt.
, Amateure wissen meist schon das „Available LightAvailable Light
Entspricht der wörtlichen Übersetzung: verfügbares Lichts. In der Fotografie bedeutet das nicht nur das wenige Licht in Innenräumen oder Dämmerungsphasen, sondern auch die Nutzung vorhandener Lichtquellen, wie die Sonne, die durch ein Fenster scheint, oder einen Kronleuchter in einem Foyer.
“ bewusst zu nutzen oder verwenden einen AufsteckblitzAufsteckblitz
Ein Blitzgerät, das über den Blitzschuh auf der Kamera montiert wird.
. „Available Light“ ist dabei allerdings wie der Hintergrund eine Frage von Erfahrung und Location, also nicht einfach in jedem Wohnzimmer zu erreichen.
Also Aufsteckblitz nutzen, und zwar „entfesseltEntfesseltes Blitzen
Normalerweise ist der Blitz an die Kamera "gefesselt". Entfesseltes Blitzen beinhaltet also das Lösen des Blitzes von der Kamera, womit Beleuchtung aus unterschiedlichen Winkeln und Höhen möglich ist - und eben nicht nur frontal von oberhalb der Kamera.
“! Entfesselt blitzt es sich mit einem Aufsteckblitz entweder über Funkauslöser oder Infrarot, wobei letzteres immer etwas unzuverlässig (und daher unendlich nervig) ist.

Klassiker
Ein bisschen mehr Balance zwischen dunkler und heller Seite
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Manuell (M), ISO100, f8, 1/100s

Da Blitzgeräte ein sehr hartes Licht und ebenso harte Schatten verursachen, empfehle ich grundsätzlich entweder „BouncingBouncing
"Bouncing" bedeutet, dass man das Blitzlicht nicht direkt auf das Objekt fallen, sondern z.B. von der Decke reflektieren lässt. Dadurch wird das Blitzlicht etwas mehr gestreut und wirkt deutlich weicher in Schattenwurf und Ausleuchtung.
“, einen DiffusorDiffusor
Ein Diffusor ist ein Hilfsmittel für das Blitzgerät und bewirkt eine Streuung des Lichts. Dadurch werden das Blitzlicht selbst, Kontraste und Reflexe weicher.
oder eine SoftboxSoftbox
Eine Softbox verpackt den Blitz, damit das Blitzlicht eingefangen und über Reflexion und Projektion auf eine weiße Fläche gleichmäßig weich wieder freigegeben werden kann.
. Ich bevorzuge die Aurora Firefly II, eine kleine, schnell montierbare Softbox mit Halterung und Blitzschuh - oder ich "bounce" einfach über das weiße Kärtchen, das aus meinem Blitz oben rauskommt.
Bei allen Beispielbilder wurden für beide Lichtquellen Softboxen verwendet.

Setup

Eine Lichtquelle reicht schon für gute Aufnahmen. Ich finde zwei, idealerweise mit etwas verschiedener Stärke, sind schon klasse und bieten richtig viele Möglichkeiten zum Ausprobieren.

Erstmal fange ich mit den Kameraeinstellung an entsprechend folgender kleiner Checkliste: Grundeinstellung Manuell (M), ISO so niedrig wie möglich, Belichtung im Rahmen der SynchronisationszeitSynchronisationszeit
Die Synchronisationszeit beschreibt die Belichtungszeit, in der Kamera und Blitz synchron ausgelöst werden können - in der Regel zwischen 1/60s und 1/250s.
zwischen Blitz und Kamera (bei mir perfekt zwischen 1/60 und 1/200). Dann passe ich die Grundeinsstellung an, bis das vorhande Raumlicht keine oder kaum Konturen mehr erkennen lässt.

Jetzt kommt der Blitz: Bevor ich die Stärke einstelle, überlege ich mir die einzelnen Position bzw Bewegungsbereiche von Model und Kamera/Fotograf und die entsprechenden Richtungen, aus denen das Licht kommen soll.

 
Lichtsetup
Licht 1 deutlich stärker als Licht 2
Photoshop Elements und Maus, Notizzettel-Vorlage (Fund im Netz)
Selfie als Testbild
Für ein anderes Shooting, nichtsdestotrotz kein schlechter Test
Canon EOS APS-C, Canon EF 40mm f2.8 STM Pancake, Manuell (M), ISO100, f4, 1/160s

Die Blitzstärke und -streuung stelle ich immer manuell ein, einfach, weil es ein großartiger Lerneffekt und großer Spaß ist, unterschiedliche Einstellung auszuprobieren.
Bei Portraits beginne ich gerne mit klassischen Setups und Ausleuchtung des Gesichts (zumindest seit ich weiß, dass es so etwas gibt), z.B. RembrandtRembrandt Lighting
Beleuchtungssetup in der Fotografie, mit welchem eine klassische Ausleuchtung für Portraits erreicht wird. Besonderes Kennzeichen der Rembrandt-Ausleuchtung ist neben der Zweiteilung des Gesichts in Licht und Schatten das charakteristische Dreieckslicht unter dem im Schatten liegenden Auge.
, SplitSplit Lighting
Einfaches Beleuchtungssetup in der Fotografie, bei dem das Hauptlicht im 90°-Winkel zum Model plaziert wird, oft kombiniert mit leichter Aufhellung im 45°-Winkel auf der anderen Seite (z.B. durch einen Reflektor).
(Ausgangslage für die Beispielbilder) oder LoopLoop oder Paramount Lighting
Einfaches Beleuchtungssetup in der Fotografie, bei dem das Hauptlicht fast direkt vor dem Model (etwa im 15°-Winkel) platziert wird und ist eine der am häufigsten genutzten Setups bei Portraits.
, und probier Details, Änderung und Kombinationen dann spontan aus.

Das Shooting

Klassisch sind Beleuchtung und Kameraposition sehr statisch, so auch die Position, die das „Model“ einnimmt. Natürlich sollte man sich überlegen, was man erreichen möchte und Lichtsetup, Kameraposition, etc entsprechend auswählen.
Aber das geht genauso spontan, wie sich danach auf einen flexiblen Dialog mit seinem Model einzulassen, Kamera und Model (natürlich in einem sinnvollen Rahmen) bewegen und so individuelle Ergebnisse zu erreichen.

Ok, mit dem faltbaren Hintergrund von 140x200cm kann das Model natürlich keine Spaziergänge machen, aber sich jederzeit gerne drehen oder aus Lichtebenen etwas hinaus- oder hineinlehnen.
Außerdem darf man nie vergessen, dass ein gutes Portrait auch ein gutes „Catch LightCatch Light
Reflexion des Lichts im Auge des Models
“ ausmacht. Bei aller Spontanität sollten offene Augen auch das Licht einfangen.

Post-Processing

Ich verwende eigentlich nur Adobe Lightroom, für diese Bilder Version 5, da ich vor allem digital fotografieren möchte und nicht digital malen. Für die wenigen Retuschen kleinerer Hautunreinheiten, leichtes lokales Aufhellen, Abdunkeln oder Weichzeichnen oder das Betonen der Augen ist Lightroom für mich genau richtig.

Look, this is my daughter
Klassiches Split Lighting mit ein bisschen Catch Light im "dunklen" Auge.
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Manuell (M), ISO100, f8, 1/80s

Für ein wenig mehr Glamour oder wenn eben nicht ein Teenager, sondern vielleicht schon eine etwas reifere Frau oder mehrere Gesichter vor der Linse stehen, setze ich seit neuem gerne Portrait Professional ein - weil es Gesichter automatisch erkennt und viel Lightroom/Photoshop Pinselarbeit abnimmt.

Das Ergebnis

Schwarzweiß oder farbig, Portraitaufnahmen, Close-ups, etwas mehr oder gar den ganzen Körper - oder eine Collage mehrer Einzelbilder.

Collage
Eine Collage, ein Filmstreifen, vom großen Bild für die Zimmerwand bis zum Banner in Social Networks ...

Für ein spontanes Shooting am Weihnachtsabend finde ich diese Ergebnisse gar nicht schlecht. Übrigens eignet sich ein ähnliches Setup mit einem entfesselten Blitz + Firefly auch hervorragend für Shootings im Freien - vielleicht gibt es diesbzgl auch mal einen Blogpost, der dem Blogtitel etwas näher kommt.

Hilfe bei Problemen

Weiße Bilder entstehen, wenn man Belichtung und ISO der Kamera überlässt. Da Kamera und Blitze nichts voneinander wissen, stellt sich die Kamera auf die natürlichen (dunklen) Lichtverhältnisse ein. Blitze überstrahlen dann das Bild derart, dass ein weißes Bild das Resultat ist.

Weißer Hintergrund wirkt grau. Low Key-Bilder sind etwas einfacher vom Lichtsetup, da der Hintergrund nicht ausgeleuchtet werden muss (aber natürlich kann). Ein nicht extra ausgeleuchteter weißer Hintergrund wirkt allerdings in 90% aller Fälle tatsächlich eher grau, weshalb sich bei High Key-Bildern eine extra Lichtquelle für den Hintergrund empfiehlt.

Blitz löst nicht aus. Bevor ich mir die Yongnuo RF603 Funkauslöser gegönnt habe (empfehlenswert), hatte ich dieses Problem regelmäßig. Eine Canon-Kamera über Infrarot mit einem entfesselten Blitz sprechen zu lassen ist schon nicht ganz einfach (Q-Taste -> Blitzeinstellung -> Manueller Drahtlosblitz), aber dann auch noch innerhalb der Reichweite des Infrarots sich zu bewegen ...

Schwarze Balken am unteren Bildrand sind das Resultat der zu langsamen Blitzsynchronisationszeit. Dafür können Blitz und Kamera reichlich wenig, da es ein fester Wert ist, den der Fotograf mit der Kamera nicht überschreiten sollte (bei Canon in der Regel min. Belichtungszeit 1/200).

Ausrüstung

Kamera habe ich quasi nur eine, meine Canon EOS 650D, die eigentlich auch gar nicht schlecht ist (~mir einred~).

Objektive sind je nach gewünschtem Ergebnis, verfügbarem Raum, etc natürlich viele möglich. Ich bevorzuge mein Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro oder mein Canon EF 40mm f2.8 STM Pancake für Portraits, da sie wenig verzeichnen und hervorragende Abbildungsqualität bieten.
Coole Effekte (passt hier vielleicht nicht unbedingt) kann man allerdings auch mit einem Ultraweitwinkel erreichen, z.B. um Tiernasen riesig wirken zu lassen, o.ä.

Kamerastativ verwende ich nur teilweise für so ein Setup. Normalerweise verziehe ich mich hinter die Kamera und brauche kein Stativ, sondern suche den Dialog mit dem Model als Teil der Kamera. Manchmal lasse ich die Kamera aber irgendwann einfach auf dem Stativ, stelle mich neben das Model und versuche quasi direkt auf die Szenerie einzuwirken - bei Menschen spaßig, bei Tieren einfach sinnvoll.

Beleuchtung besteht bei mir meistens aus entfesselten Aufsteckblitzen YN-560 Mark III von Yongnuo, die ich auf Stativen montiere, mit Aurora Firefly II als Softbox oder Bouncing. Manchmal nehme ich noch meinen Studioblitz hinzu, der allerdings immer etwas mehr Platz wegnimmt und lange nicht so schnell aufgebaut ist.


Danke sehr fürs Lesen (oder in diesem Fall fürs Kucken) und bis zum nächsten Mal.

   

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