Freitag, 26. September 2014

Der Herbst ist die Jahreszeit für Fotografen: Streiflicht, tiefstehende Sonne, Nebel, Morgentau - und eben noch nicht so kalt für Finger und Equipment.
Der Herbst hat begonnen und ich möchte schon ein paar Impressionen teilen (auch wenn sie aus dem letzten Jahr sind). Show text

Beschreibung

Zum wirklich guten Fotografen fehlt irgendwie immer etwas. Natürlich kann man immer meckern, über das Equipment (besser geht immer), über das Licht, über das Wetter.
Mir fehlt aber eindeutig eine ganz wichtige Grundlage: das Frühaufstehen ~gähn~

Sonnenaufgang

Ein bisschen gilt mein Neid denen, die zum Sonnenaufgang eines Herbstmorgens über die Hügel der Toskana schauen können. Aber zuhause kann es auch schön sein - so wie letzten Herbst, als ich das neu angeschaffte Makro auszuprobierte.
Morgentau, also natürliche kleine Wassertropfen, das war das Ziel. Der Morgen begrüßte mich auch mit der richtigen Herbststimmung - strahlend blauer Himmel über dichtem Nebel, der Felder und Bäume in diffuses Licht hüllte (Bild unten). Zugegeben, ich war etwas ungeduldig und hätte mit einer geschlossenen Blende (f8-f11) die ersten Strahlen der Sonne über dem Horizont einfangen sollen. Fotografie ist eben nicht nur Technik und Bildaufbau, sondern vor allem Geduld und der richtige Zeitpunkt.

Jägerstand
Die Jagd nach Morgentau
beginnt mit dem Sonnenaufgang
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO100), 18mm, f7.1, 1/60s

Nachdem die Sonne die Nebelschwaden vertrieben hatte, nahm das Makro seine Arbeit auf: ein Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro. Verschiedene Blenden von f2.8 bis f11, AFAutofokus (AF)
Dabei handelt es sich um die Technik, das Motiv automatisch scharfzustellen. Bei DSLRs misst dabei die Kamera über den Spiegel durch das Objektiv die Schärfe und überträgt notwendige Anpassungen elektronisch an das Objektiv.
-Zusammenspiel mit der Kamera, und natürlich BokehBokeh
Dieser Begriff beschreibt in der Fotografie die Qualität des Unschärfebereichs, die sich vor allem in Kontrastverhalten, Kantendarstellung, Rundheit und Gleichmäßigkeit der Unschärfen sowie Farbsäumen und -fehlern feststellen lässt.
waren das Hauptaugenmerk.

Morgentau

Da ich außerhalb des Studios fast ausschließlich mit dem Available LightAvailable Light
Entspricht auch genau der wörtlichen Übersetzung, nämlich Fotografieren mit verfügbarem Licht ohne künstliche Lichtquellen wie Dauerlicht oder Blitz.
fotografiere, gilt natürlich, genau das auch zu nutzen. D.h. ich suche Motiv und Kameraposition zum Motiv so aus, dass ich die Sonne und ihre natürlichen Reflektionen gezielt einsetzen kann. Bei der Makrofotografie-typischen dichten Position am Motiv gilt ein bisschen die Vorsicht, nicht selbst Schatten ins Bild zu werfen.

Pusteblume
Noch lässt die Sonne, das Available Light, ein bisschen auf sich warten.
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO100), f4, 1/160s (aus der Hand)

Natürlich sind die glasklaren Wasserperlen und kleinen Spinnweben in der Pusteblume (Bild oben) sehr gut herausgekommen, gut scharf, guter Kontrast. Aber besonders der Übergang in den grünen Hintergrund und das Bokeh haben mich positiv überrascht.

Winterschlaf
Autofokus und Schärfeebene sitzen wie gewünscht - ich find dieses Tamron klasse!
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO400), f4, 1/125s (aus der Hand)

Auch hier (Bild oben - ist das eine nie aufgewachte Löwenzahnblüte?) sind die Wasserperlen knack scharf, der AF passt und hat die Schärfeebene genau wie gewünscht gesetzt.
Beim folgenden Foto (Bild unten) ärgere ich mich ein bisschen, dass ich zum krönenden Abschluss zwar das Stativ aufgebaut habe, aber bei der Blende f4 geblieben bin - hätte ich doch auch gerne die Wasserperlen im Vordergrund scharf gehabt.

Klee
A bit too much - eine Blende f8 hätte den Klee zum Glücksklee gemacht ...
Canon EOS APS-C, Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro, Zeitautomatik (Av), AutoISO (ISO250), f4, 1/125s, leichtes Reisestativ, kein Makroschlitten

Dafür war ich (und bin immernoch) hochzufrieden mit der Neuanschaffung. Die Bildqualität ist von f2.8 bis f8 sehr gut, mit f11 geht sie aber sehr rapide bergab (für APS-C aber auch eher seltene Blendenwerte). Der AF trifft fast immer und ist sehr zuverlässig - abgesehen vom gelegentlichen Pumpen im »Full«-Modus.

Ich freue mich schon auf die erste herbstmorgentliche Fotosession dieses Jahr - vielleicht dann auch mit typischen »goldener Herbst«-Bildern.

Tipps

(oder auch »Merke für das nächste Mal«)
Der »Goldene Herbst« ist vor allem warme Farben des langsam bunt werdenden Laubs, das noch an Bäumen hängt, aber auch schon ein wenig den Boden bedeckt.

Aber für den Fotografen gibt es noch ein paar Dinge, die vor allem im Herbst leichter greifbar sind als in anderen Jahreszeiten:

  • Morgentau
    Wie bereits in diesem Blogeintrag gezeigt, mit einem nebligen Herbstmorgen gibt es auch gute Chancen, die kleinen Wasserperlen des Morgentaus auf Blüten, Blättern, Spinnweben, Pilzkappen, etc einzufangen (ohne sie mit einem Zerstäuber faken zu müssen.
  • Pilze
    Pilzkappen sind hier wohl das Stichwort, denn natürlich bieten unsere Wälder vor allem im Herbst ein reiches Angebot an Pilzen.
  • Wein
    Die prallen Trauben kurz vor der Weinlese an Reben, deren Blätter sich vielleicht auch schon verfärben. Nur im Glas kann man Wein noch schöner einfangen.
  • Nebel
    Nebel bietet quasi einen natürlichen DiffusorDiffusor
    Ein Diffusor ist ein Hilfsmittel vor oder um das Blitzgerät und bewirkt eine Streuung des Lichts. Dadurch werden das Blitzlicht selbst, Kontraste und Reflexe weicher.
    für das Sonnenlicht. Das besondere ist, dieser Diffusor ist Teil der Szenerie, lässt Motive mysteriös, Landschaften atmosphärisch und das Licht stimmungsvoll erscheinen.
Und nun noch ein paar einfach Merker: Ich freue mich schon auf Ausprobieren, Lernen, und Ausprobieren, Lernen, ...

Infos

Begleitet hat mich bei diesem Herbstmorgenspaziergang:
Canon EOS 650D, das dazu passende Immerdrauf EF-S 18-135mm STM und das Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro.

Das Tamron SP 90mm f2.8 Di VC USD Macro ist nicht nur mein Macro, sondern auch mein bevorzugtes Portraitobjektiv. Vom vergleichbaren Sigma hebt es sich durch den besseren Bildstabilisator und die kürzere Brennweite (bei APS-C natürlich ein Argument) ab. Obwohl es nicht ganz die Klasse des Canon EF 100mm f2.8L Makros hat, so ist es optisch doch in der gleichen Liga (für den halben Preis) und eben etwas kürzer.
Meine Meinung kann (vermutlich wird) sich aber ändern, denn der Canon-Unterschied macht sich spätestens mit den AFs einer Canon EOS 5D Mark III oder 7D Mark II wirklich bemerkbar.


Danke sehr fürs Lesen (oder in diesem Fall fürs Kucken) und bis zum nächsten Mal.

   

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen